Hallo Zusammen! In diesem Beitrag möchte ich mich einem fundamentalen Bestandteil der Fotografie widmen, einer Eigenschaft, die maßgeblich über den Preis eines Objektivs entscheidet und (dieser Aspekt ist sogar sehr viel wichtiger) Grundlage für die Belichtung eines jeden Bildes ist. Ich spreche von der Blende.

APERTURE BLADES

Was ist die Blende?

Wenn wir im normalen fotografischen Sprachgebrauch von einer Blende sprechen, meinen wir meist die Öffnung der Aperturblende eines Kameraobjektivs. Diese wird in Abhängigkeit der Brennweite berechnet und gibt einem Fotografen einen für verschiedene Objektive vergleichbaren Wert für die Lichtstärke und die Schärfentiefe des jeweiligen Objektivs. Wenn man einige Zusammenhänge, wie zum Beispiel die verwendete Sensorgröße, etwas vereinfacht, kann der folgende Merksatz aufgestellt werden:

Je kleiner die Zahl der Blende ist, desto lichtstärker ist ein Objektiv und desto geringer ist die Schärfentiefe im Bild.

Wozu benötigt man eine große Offenblende?

Die geringe Schärfentiefe (auch Bokeh [von jap. 'boke' = 'unscharf' oder 'verschwommen'] genannt) ist ein beliebtes fotografisches Element zur Bildgestaltung, etwa um eine Person oder einen Gegenstand vom Hintergrund freizustellen.

Aber auch die maximale Lichtstärke ist für viele Einsatzgebiete entscheidend. So können Sportfotografen mit ihren Spezialobjektiven die Bewegung eines Sportlers aufgrund von sehr schnellen Verschlusszeiten einfrieren oder Astrofotografen Bilder vom Sternenhimmel machen ohne die Sensorempfindlichkeit (ISO) dafür zu missbrauchen. Mit einem handelsüblichen Kitobjektiv (meist f3.5 - f5.6) kann man diese Effekte ebenfalls erzielen, jedoch sorgt der dann benötigte hohe ISO-Wert meist zu einem starken Bildrauschen.

Blendenstufen, ISO und Belichtungszeit

Die Skala der f-Werte von Objektiven sind in sogenannte Blendenstufen unterteilt. Gängige Blendenstufen sind die folgenden:

f1.4 - f2.0 - f2.8 - f4.0 - f5.6 - f8 - f11 - f16 - f22

Öffnet man die Blende um eine Stufe, zum Beispiel von f4.0 auf f2.8, so lässt das Objektiv die doppelte Menge Licht auf den Sensor. Schließt man die Blende um eine Stufe, zum Beispiel von f4.0 auf f5.6, so halbiert sich die Menge von Licht die auf den Sensor trifft. Dementsprechend muss man die anderen Parameter der Belichtung anpassen um ein vergleichbar belichtetes Bild zu erhalten. Hier ein paar Beispiele:

f4.0 | 1/100s | ISO 400 - Blende wird um eine Stufe auf f2.8 geöffnet:
Um die gleiche Belichtung wie oben zu erreichen, müsste man entweder die Verschlusszeit oder den ISO halbieren: f2.8 | 1/200s | ISO 400 oder f2.8 | 1/100s | ISO 200

f4.0 | 1/100s | ISO 400 - Blende wird um eine Stufe auf f5.6 geschlossen:
Um die gleiche Belichtung wie oben zu erreichen, müsste man entweder die Verschlusszeit oder den ISO verdoppeln: f5.6 | 1/50s | ISO 400 oder f5.6 | 1/100s | ISO 800

Äquivalente Blenden, Brennweiten und der Crop-Faktor bei verschiedenen Sensorgrößen

Kurz vorweg: das nachfolgende Thema ist eigentlich so komplex, das es einen separaten Beitrag benötigt. Um das Thema Blende trotzdem ganzheitlich zu beleuchten, habe ich den nachfolgenden Abschnitt trotzdem mit in diesen Beitrag genommen.

Nun, wie eingangs erwähnt, berechnet sich der f-Wert für die maximale Offenblende eines Objektivs anhand der Brennweite (f) des Objektivs. Zudem ist die Größe der Eintrittspupille der Apertur, also des Frontelements des Objektivs (D) ausschlaggebend. Die Formel für den f-Wert des Objektivs, also der maximalen Offenblende (im Folgenden als N) lautet wie folgt:

N = f / D

Zugegeben, das allein ist nicht sehr aussagekräftig. Ein Beispiel muss her. Nehmen wir das Sony FE 50mm f1.8, das "Nifty-Fifty" für Sony's E-Mount Kameras. Was wir über dieses Objektiv wissen, ist, dass es eine Brennweite von 50mm und eine maximale Offenblende von f1.8 hat. Setzt man diese Werte in die Gleichung ein, erhält man die Größe des Durchmessers vom Frontelements des Objektivs.

1.8 = 50 / D
1.8 D = 50
D = 27,8

Das Frontelement hat also einen Durchmesser von 27,8 mm. Soweit so gut.

Jetzt kommt der Crop-Faktor zum Vergleich des Bildwinkels einer Brennweite an verschiedenen Kameras ins Spiel. Dieses Objektiv ist für den Einsatz an einer Vollformatkamera konzipiert. Nutzt man es auch an einer Vollformatkamera [nicht an einer APSC-Kamera wie die A6000, da passt das Objektiv nämlich auch dran ;)] ist der Crop-Faktor 1. Das 50mm-Objektiv von Sony hat an einer Vollformatkamera den Bildwinkel eines 50mm-Objektivs an einer Vollformatkamera. Das ist schlüssig.

Du musst dir vorstellen, dass eine Kamera mit kleinerem Sensor bei gleicher Brennweite im Vergleich zur Vollformatkamera nur einen kleineren Bildausschnitt aufnimmt. Zum Vergleich habe ich hier eine kurze Aufstellung von gängigen Crop-Faktoren für dich (vom großen zum kleinen Sensor):

Mittelformat: 0,79 (Fuji GF)
Vollformat: 1
APS-C: 1.5 (Canon: 1.6)
MFT: 2.0

Das Lumix G 25mm f1.7 ist das "Nifty-Fifty"-Objektiv für die MFT-Kameras von Panasonic. Die Angabe der maximalen Offenblende verspricht mit einem f-Wert von 1.7 eine bessere Leistung als das Sony FE 50mm f1.8, oder? Und hier beginnt der Trugschluss...

Durch den für MFT-Kameras üblichen Crop-Faktor von 2 erhalten wir für die Brennweite von 25mm den gleichen Bildwinkel wie beim 50mm Sony-Objektiv. Mit einer Brennweite f von 25mm und einer Offenblende N von 1.7 erhalten wir folgende Gleichung für das Frontelement:

1.7 = 25 / D
1.7 D = 25
D = 14,7

Das Frontelement hat einen Durchmesser von 14,7 mm. Diese 14,7 mm große Öffnung kann unmöglich mehr Licht einfallen lassen als die des Sony Objektivs mit 27,8 mm.

Wendet man jetzt den Crop-Faktor ebenfalls auf die Blende an, müsste ein MFT-Objektiv mit einer 50mm-äquivalenten Brennweite von 25mm eine Blende von f0.9 haben, um die gleiche Lichtstärke zu erreichen.

N = 25 / 27,8
N = 0,9

Noch auffälliger ist es, wenn man diesen Vergleich auf Kompakt- oder Handykameras anwendet. Aus den eben gezeigten Zusammenhängen zum Crop-Faktor lassen sich folgende Formeln ableiten:

Vollformat äquivalente Brennweite = tatsächliche Brennweite * Crop-Faktor
Vollformat äquivalente Blende = tatsächliche Blende * Crop-Faktor
Vollformat äquivalente ISO = tatsächliche ISO * (Crop-Faktor ^ 2)

Zusammenfassung: Worauf muss ich beim Kauf eines neuen Objektivs achten?

Der letzte Abschnitt war ziemlich trocken. Nun zum spannenden Teil. Welches Objektiv sollst du dir kaufen? Nun das kommt ganz auf deine Art der Fotografie an.

Bist du Einsteiger und hast deine Kamera und das dazugehörige Kit-Objektiv erst gekauft, empfehle ich dir, damit erst einmal ein paar Bilder zu machen. Lerne und verstehe was die verschiedenen Brennweiten bedeuten und welche Eigenschaften sie mit sich bringen. Wenn du weißt was Weitwinkel-, Normal- und Portrait- und Telebrennweiten sind, kannst du mit Schritt 2 fortfahren.

Hast du bereits etwas Erfahrung mit dem Kitobjektiv gesammelt, solltest du dir eine Festbrennweite in dem von dir am häufigsten genutzten Brennweitenbereich zulegen. Zum einen verbesserst du mit einer Festbrennweite deinen Blick für die Bildgestaltung, da du dich, wenn du die Positionierung eines Elementes im Bild verändern möchtest, immer selbst bewegen musst. (Deshalb nennen manche Fotografen die Festbrennweiten auch Turnschuhzoom. :) ) Zum anderen sind lichtstarke Festbrennweiten meistens deutlich günstiger als lichtstarke Zoomobjektive und sind trotzdem noch um ungefähr eine Blendenstufe lichtstärker. Hier kann man die für dein Kamerasystem äquivalenten Brennweiten von 35mm und 50mm gut empfehlen.

Du hast beispielsweise eine Sony A6000, eine APSC-Kamera mit Crop-Faktor 1,5. Hier solltest du nach Objektiven mit einer Brennweite um die 23mm (vgl. 35mm) oder um die 33mm (vgl. 50mm) Ausschau halten.

Wenn du bereits Erfahrung mit Zoomobjektiven und Festbrennweiten hast und weißt, was du gerne fotografierst und welche Brennweiten man dafür benötigt. Dann kann ich dir an dieser Stelle nur noch den Ratschlag geben, dass du deinen Geldbeutel etwas schonen solltest. Denn manchmal muss es nämlich nicht das um eine Blendenstufe bessere Objektiv sein, das das dreifache von dem etwas "schlechteren" Objektiv kostet.

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