Hallo Zusammen!

In diesem Beitrag möchte ich mich der Brennweite von Objektiven widmen. Welche Auswirkungen hat die Brennweite auf das fertige Bild? Was musst du bei der Angabe der Brennweite auf deinem Objektiv beachten? Und wie funktioniert ein Zoom-Objektiv? Das sind viele Fragen, die es in diesem Artikel zu beantworten gilt.

TUNNEL VISION

Die Brennweite eines Objektivs

Die Brennweite eines Objektivs wird immer in Millimeter (mm) angegeben und beschreibt die Distanz zwischen der optischen Hauptebene der Linse oder Linsengruppe des Objektivs bei eingestellter Fokusentfernung von 'unendlich' und dem Sensor in der Kamera. Bei dieser Einstellung liegt der Brennpunkt nämlich genau auf dem Sensor der Kamera. Dabei entstehen große Brennweiten durch flache, schwach gekrümmte Linsenoberflächen. Die kleinen Brennweiten entstehen hingegen durch eine starke Krümmungen der Linsenoberfläche.

Festbrennweite vs. Zoom-Objektiv

Eine Möglichkeit Objektive nach ihren Eigenschaften einzuteilen ist die Unterteilung in Zoom-Objektive und Festbrennweiten.

Eine Festbrennweite ist ein Objektiv ohne Zoom. Es hat nur eine einzige feste Brennweite. Der große Vorteil bei dieser Art von Objektiven ist, dass diese Objektive in ihren Eigenschaften auf diese Brennweite optimiert werden. Sie haben weniger optische Fehler wie chromatische Aberrationen oder Vignettierung und können dabei deutlich lichtstärker sein als Zoom-Objektive. Allgemein kann man sagen, dass Festbrennweiten im gleichen Preissegment im Vergleich zu Zoom-Objektiven für eine bessere Bildqualität sorgen. Gängige Festbrennweiten sind beispielsweise 24mm, 35mm, 50mm und 85mm.

Ein Zoom-Objektiv ist ein Objektiv mit einer variablen Brennweite. Die Brennweite kann an einem Zoom-Objektiv in einem bestimmten Bereich verstellt werden. Gängige Zoombereiche sind beispielsweise 16mm bis 35mm, 24mm bis 70mm oder 70mm bis 200mm. Durch die variable Brennweite ist es dem Fotograf möglich den Bildwinkel relativ schnell und ohne das Wechseln des Objektivs zu ändern. Wofür die Angabe des Bildwinkels gut ist und wie der Bildwinkel in Abhängigkeit von Brennweite und Sensorgröße bestimmt wird, erkläre ich im nachfolgenden Abschnitt. Zoom-Objektive müssen im gesamten Brennweitenspektrum eine konstante Leistung erbringen und sind daher anfälliger für optische Fehler.

Mit welchem Objektivtyp man unterwegs ist hängt von mehreren Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Motiv, den Anforderungen an das Bild, der Größe des Geldbeutels oder der persönlichen Präferenz für einen bestimmten Objektivtyp.

Was bedeutet der Crop-Faktor meiner Kamera für die Brennweite und den Bildwinkel meines Objektivs?

Der Bildwinkel beschreibt den größtmöglichen Winkel, den eine bestimmte Brennweite abhängig von der Sensorgröße horizontal abzubilden in der Lage ist. Er ist notwendig um Objektive unabhängig vom Kamerasystem miteinander vergleichen zu können.

Meistens rechnet man die Brennweite von Kameras mit einem Crop-Sensor (als einem kleinerem Sensor) auf die äquivalente Brennweite an einer Kleinbildkamera um. Diese Umrechnerei ist historisch entstanden, da früher der 35mm-Kleinbildfilm, der in der Größe mit dem Kleinbild-Sensor identisch ist, und die dazugehörigen analogen Kameras für die meisten Fotografen zugänglich waren. Der Kleinbild-Sensor heißt auch genau wegen der identischen Größe "Vollformat", da er das volle Format des damals gängigen Kleinbildfilms abdeckt.

Um diese Umrechnerei etwas zu vereinfachen, gibt es den sogenannten Crop-Faktor. Das ist eine Zahl, welche mit Brennweite, Blende und ISO multipliziert wird und die entsprechenden Werte für eine Kleinbild-Kamera zu errechnen.

Hierzu kann folgende Gleichungen benutzt werden:

Vollformat äquivalente Brennweite = tatsächliche Brennweite * Crop-Faktor
Vollformat äquivalente Blende = tatsächliche Blende * Crop-Faktor
Vollformat äquivalente ISO = tatsächliche ISO * (Crop-Faktor ^ 2)

Um nun an Kameras mit verschiedenen Sensorgrößen den Bildwinkel von 47° (Bildwinkel von 50mm an einer Kleinbild-Kamera) zu erhalten, muss man verschiedene Brennweiten benutzen:

MFT (2 x Crop):
25mm

APS-C (1,5x / 1,6x Crop):
30mm - 35mm

VF (1x Crop):
50mm

Dieser Zusammenhang ist einer der größten Vorteile von kleineren Kamerasensoren: möchte man einen größen Zoombereich oder eine lange Brennweite haben, so ist das an einer Crop-Kamera meist um einiges günstiger als an einer Kleinbild-Kamera.

Einteilung von Objektiven nach ihrer Brennweite

Die nachfolgende Übersicht habe ich nahezu unverändert von einer anderen Website (digitipps.ch) übernommen.

Je nach Brennweite werden Objektive in gewisse Kategorien eingeteilt:

Bezeichnung Brennweiten (Vollformat äquivalent) Bildwinkel in Grad
Super-Weitwinkel-Objektive 11 bis 24 mm 126 bis 84°
Weitwinkel-Objektive 25 bis 35 mm 82 bis 63°
Normal-Objektive 40 bis 50 mm 57 bis 47°
Porträit-Objektive 85 bis 130 mm 29 bis 19°
Tele-Objektive 140 bis 250 mm 17 bis 10°
Super-Tele-Objektive 260 bis 600 mm und mehr 10 bis 47°

Auswirkung der Brennweite auf das Bild

Das Objektiv beeinflusst das fertige Bild mehr als deine Kamera. Es gibt dem Bild einen gewissen 'Look'. Die Brennweite des Objektivs hat, wie die Blende auch, mehrere Eigenschaften die sich auf das Bild auswirken: Bildwinkel, Schärfentiefe und Bildkompression.

Der Bildwinkel: Der Grund des Crop-Faktor-Wahnsinns

Wie oben bereits erwähnt, bietet eine Brennweite von beispielsweise 35mm nicht an jeder Kamera das gleiche Bild. Je nach Sensorgröße können hier große Unterschiede entstehen. Ein Objektiv mit einer Brennweite von 35mm ist an einer APSC-Kamera eine Normal-Brennweite, an einer Kleinbild-Kamera eine Weitwinkel-Brennweite und auf einer MFT-Kamera schon fast eine Portait-Brennweite. Der Grund hierfür ist der Crop (engl. Zuschnitt) der kleineren Kamerasensoren. Der größere Sensor belichtet bei der gleichen Brennweite eine größere Fläche und somit ist der Bildwinkel größer.

Schärfentiefe: Bessere Freistellung mit längeren Brennweiten

Wichtig für den 'Look' eines Bildes ist auch die Schärfentiefe im Bild. Hier kann man durch das bewusste Setzen der Schärfeebene gezielt den Blick des Betrachters lenken. Gerade bei Portraits wird gerne durch ein butterweiches Bokeh [von jap. 'boke' = 'unscharf' oder 'verschwommen'] das Model vom Hintergrund separiert. Je länger die Brennweite eines Objektivs, desto geringer ist die Schärfentiefe im Bild. Das wird besonders bei den Tele-Brennweiten bemerkbar. Hier erhält man eine geringe Schärfentiefe auch bei weniger lichtstarken Objektiven. Im Gegensatz zu den Tele-Brennweiten haben Weitwinkel- und Super-Weitwinkel-Brennweiten eine relativ große Schärfentiefe.

Bildkompression: Wenn der Hintergrund näher an das Motiv rückt

Die Bildkompression bei langen Brennweiten sorgt dafür, dass Hintergrundelemente scheinbar größer abgebildet werden als sie es tatsächlich sind. Dadurch wirkt das Bild flacher und hat weniger Tiefe. Durch den Effekt der Bildkompression wird auch die Darstellung von Gesichtern bei verschiedenen Brennweiten unterschiedlich beeinflusst. Bei Brennweiten zwischen 50mm und 90mm wirken Gesichter normal, das heißt so wie wir sie mit unserem Auge wahrnehmen. Benutzt man jedoch extreme Weitwinkel- oder Tele-Brennweiten so "verformen" sich die Proportionen des Gesichts. So kann es vorkommen, dass die Nase des Models zum Beispiel bei einer äquivalenten Brennweite von 24mm besonders groß wirkt, da die Distanz zur Nase bei gleicher Abbildungsgröße bei 24mm kleiner ist, als bei einer längeren Brennweite.

Der Zoom-Multiplikator: Was bedeutet X-fach optischer Zoom?

Bevor ich diesen Abschnitt beginne ist es wichtig an dieser Stelle den Unterschied zwischen optischen und digitalem Zoom aufzuzeigen. Optischer Zoom wird durch die Optiken des verwendeten Objektivs auf der physikalischen Ebene und ohne signifikanten Qualitätsverlust erreicht. Beim digitalen Zoom wird lediglich das Bild zugeschnitten, weshalb die Bildqualität beim digitalen Zoom extrem leidet. In diesem Abschnitt behandle ich ausschließlich den optischen Zoom.

Bei vielen "Consumer"-Kameras ist das Objektiv fest verbaut. Deshalb besteht die Notwendigkeit Objektive zu verbauen, die einen relativ großen Brennweitenbereich abdecken um diese Kameras universell einsetzbar zu machen. Bei den meisten kleinen Sensoren ist das Verbauen von großen Brennweitenbereichen auch gar nicht das Problem. Da die kleinen Sensoren einen ziemlich großen Crop-Faktor haben und somit um einiges kürzere Brennweiten für den gleichen Bildausschnitt benutzen als Kameras mit MFT-, APSC- oder Kleinbild-Sensor, wird es bei der Spezifikation des Brennweitenbereichs problematisch. Kaum jemand kann mit einer Angabe des Brennweitenbereiches von 9,1mm bis 146mm (25mm bis 400mm äquivalent am Kleinbild) wie beispielsweise bei der Panasonic LUMIX FZ1000 II etwas anfangen. Hier bedienen sich die Kamerahersteller gerne des Zoom-Multiplikators. Der Zoom-Multiplikator eines Zoom-Objektivs ergibt sich aus der längsten Brennweite des Objektivs geteilt durch die kürzeste Brennweite des Objektivs. Die eben genannte LUMIX-Kamera erreicht somit einen Zoom-Multiplikator von 16 - sie hat also einen 16-fach optischen Zoom. So hat ein "normales" Kit-Zoom mit einem Brennweitenbereich von 24mm bis 70mm meistens eines Zoom-Multiplikator von 3. Man spricht von einem 3-fach optischen Zoom. Hierbei ist die Spezifikation der kleinsten Brennweite als Indikator für den weitesten Bildwinkel enorm wichtig, denn ein Zoom-Objektiv mit einem Brennweitenbereich von 70mm bis 200mm hat auch einen Zoom-Multiplikator von 3. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Objektive mit kleinerem Zoom-Multiplikator eine bessere optische Leistung haben.

Mein Fazit: 'Die Brennweite: Mehr als nur der Zoom!

Wer die Fotografie etwas ernster nimmt, sollte die Eigenschaften von verschiedenen Brennweiten kennen und nutzen. Dabei werden gerade Neulingen durch die Äquivalenz-Rechnerei ziemlich verwirrt. Kennt man jedoch die Eigenschaften der verschiedenen Brennweiten, kann man beim Objektivkauf gezielt nach seinen Anforderungen suchen und unter Umständen eine ganze Menge Geld sparen.

Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, würde ich mich sehr über einen freundlichen Kommentar von dir freuen. Hast du einen Verbesserungsvorschlag? Dann lass es mich durch dein Kommentar wissen!

Bis bald!