Hallo Zusammen!

In diesem Beitrag möchte ich mich einem in Foren viel diskutiertem Thema widmen: der Sensorgröße.

Positive Einflüsse eines großen Sensors auf dein Bild

Der Sensor ist ein elementarer Bestandteil in jeder modernen Kamera und bestimmt auf vielerlei Weise das fertige Bild. Neben Werten wie den Dynamikumfang ist er auch hauptverantwortlich für die Low-Light-Capability deiner Kamera. Als einfache Faustregel gilt hierbei: Je größer der Sensor, desto mehr Licht kann durch ihn in der gleichen Belichtungszeit eingefangen werden. Dass diese Rechnung nur mit äquivalenten Optiken gilt, steht dabei jedoch auf einem anderen Blatt. Ein größerer Sensor bietet bei der gleichen Anzahl Megapixel im Vergleich zu einem kleinerem Sensor einen größeren Pixelpitch, also mehr Platz pro Pixel, wodurch ein einzelner Pixel mehr Licht sammeln kann. Umgekehrt kann ein größerer Sensor bei gleichem Pixelpitch mehr Pixel auf seiner Fläche haben. Neben der Leistungsfähigkeit bei schlechten Lichtverhältnissen werden große Sensoren auch gerne aufgrund der geringeren Schärfentiefe von Fotografen gewählt. Auch hier gilt: Je größer der Sensor, desto geringer ist die Schärfentiefe, natürlich wieder bei entsprechenden Objektiven. Mit einem großen Sensor bekommt man quasi ein besseres oder cremigeres Bokeh. Bokeh ist ein Begriff, der die Hintergrundunschärfe eines Bildes beschreibt. In den Köpfen vieler Menschen haben viele "professionelle" Fotos diese Hintergrundunschärfe als eines der entscheidenden Merkmale.

SENSOR OF MY SONY A5000

Nachteile von großen Sensoren

Neben den ganzen Vorteilen, die ein großer Sensor gegenüber einem kleineren bietet, gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. Kameras mit großen Sensoren sind in der Regel teurer als Kameras, die einen kleineren Sensor verbaut haben, und das je nach Modell teilweise sehr deutlich. Auch sind die Objektive, die für größere Sensoren konzipiert sind und demnach eine größere Fläche belichten müssen, deutlich größer, schwerer und teurer als die Objektive für Kameras mit Crop. Da ein größerer Sensor auch mehr Daten liefern kann, kann es auch deutliche Schwierigkeiten beim Filmen mit hohen Framerates geben. Man benötigt deutlich stärkere Prozessoren in den Kameras und sehr schnelle Speichermedien um diese Daten entsprechend wegzuschreiben, auch diese sind entsprechend teurer. Während des Betriebs entstehen durch diese höhere Last auch deutlich höhere Temperaturen an Sensor, Prozessor und Speicherkarte, weshalb man oft von Kameras hört, die Probleme mit Überhitzung (Overheating) haben.

Versteht mich bitte nicht falsch. Diese Kameras haben ihre Daseinsberechtigung. Jeder sollte aber genau wissen, welche Kamera er für seine Ansprüche benötigt. Am besten bevor man sie kauft.

Und nun: Die niemals endende Rechnerei ...

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein paar Rechenbeispiele geben und damit die Unterschiede der gängigen Sensorgrößen in Lichtmenge und Schärfentiefe aufzeigen. Für tiefgründigere Informationen über die Auswirkungen des Crop-Faktors lege ich dir folgende Beiträge ans Herz:

DIE BRENNWEITE: MEHR ALS NUR DER ZOOM! - GRUNDLAGEN DER FOTOGRAFIE

DIE BLENDE: WAS BEDEUTET DAS F? - GRUNDLAGEN DER FOTOGRAFIE

WAS IST FOTOGRAFIE? - GRUNDLAGEN DER FOTOGRAFIE

Die gängigen Sensorformate für (semi-) professionelle Kameras sind:

MFT (Micro Four Thirds) mit einem Crop-Faktor von 2
APSC mit einem Crop-Faktor von 1,5 (Canon: 1,6)
Vollformat oder Kleinbild (KB) mit einem Crop-Faktor von 1

(Größere Formate wie das Mittelformat lasse ich aus dieser Übersicht der Einfachheit halber raus.)

Man sagt, dass man, innerhalb der oben aufgelisteten Sensorgrößen, durch den Wechsel auf den nächstgrößeren Sensor die Lichtmenge, die in der gleichen Zeit durch den Sensor aufgefangen wird, um etwa eine Blendenstufe erhöht, also quasi verdoppelt. Das führt zu einer ziemlichen Rechnerei, wenn man also Kameras und deren Objektive miteinander vergleichen möchte.

Als kurzes Beispiel möchte ich das "Nifty Fifty" aufzeigen, ein Objektiv mit einer festen Brennweite von kleinbildäquivalenten 50mm. Dieses Objektiv gibt es in nahezu jedem Kamerasystem.


Sensorgröße KB APSC MFT
Cropfaktor 1 1,5 2
Brennweite 50mm 35mm 25mm
Blende f1.8 f1.8 f1.7
KB äquivalente
Brennweite
50mm 52,5mm 50mm
KB äquivalente
Blende
f1.8 f2.7 f3.4
Beispiel Sony FE
50mm f1.8
Sony F
35mm f1.8
LUMIX
25mm f1.7


Nun ein paar Gedanken zur oben stehenden Tabelle: Wenn man bei Vollformat auf f4.0, bei APSC auf f2.8 und bei MFT entsprechend auf f2.0 abblendet, sollten die Bildergebnisse bei gleichem ISO und gleicher Verschlusszeit in Belichtung und Schäftentiefe nahezu identisch sein.

Eine Kamera mit größerem Sensor, zum Beispiel einem Vollformat-Sensor, kann durch entsprechende Objektive, zum Beispiel mit einer Offenblende von f1.4, eine bessere Low-Light-Performance erreichen als eine mit kleinerem Sensor, da äquivalente Optiken derzeit einfach nicht existieren.

Die geringere Schärfentiefe von großen Sensoren muss nicht immer von Vorteil sein. Zum Beispiel in der Makro-Fotografie oder in der Wildlife-Fotografie ist es sehr ärgerlich, wenn das Motiv aufgrund einer zu dünnen Schärfeebene nicht gänzlich im Fokus ist.

Schlusswort

Am Ende ist es IMMER eine Entscheidung des Fotografen, welches Kamerasystem er bevorzugt. Meiner bescheidenen Meinung nach sind andere Faktoren, wie Beispielsweise das Handling und die Objektivauswahl viel entscheidender beim Kamerakauf als die Sensorgröße.

Ich hoffe dir hat mein Beitrag zur Sensorgröße gefallen. Vielleicht konntest du auch noch etwas Nützliches für dich mitnehmen? Wie immer würde ich mich sehr über deinen Kommentar unter diesem Beitrag freuen.

Vielen Dank fürs Lesen, bis bald!